Himmelblau-TV als Chance
In den letzten Wochen und Monaten hört man ja immermal wieder eine Meldung zu Himmelblau-TV, dem neuen geplanten Regionalfernsehen für Ilmenau. Ich möchte unterstellen, dass das Ruhestands-Projekt des ehemaligen Leiters der Thüringer Staatskanzlei und Kultusministers Michael Krapp (CDU), gar nicht so sehr parteipolitisch orientiert ist, wie man im ersten Moment meinen könnte. Die Idee des Regionalfernsehens für Ilmenau endlich wieder anzupacken ist ehrenwert, sind uns anderen Regionen in Thüringen doch um einiges voraus. Auch ein bereits gescheitertes Projekt in Ilmenau lastet schwer. Andererseits ist es für mich nur schwer erklärbar, wie eine Universitätsstadt mit den infrastrukturellen Voraussetzungen wie Ilmenau überhaupt keinen städtischen regionalen Rundfunk betreiben kann. Im Umfeld der Universität sind Rundfunkeinrichtungen mit dem hsf und ISTUFF bereits existent. Beide wären bei mehr Inhalten und Mitarbeitern in der Lage täglich und zeitfüllend zu senden, aber die Brücke zu einem Bürgerrundfunk konnte offenbar nie geschlagen werden. Das ändert sich nun hoffentlich. Inzwischen gibt es sogar einen DVB-T-Sendemast und das Institut für Medientechnik unterstützt die Pläne.
Nun ist der Presse (FW vom 7. Januar) nach dem Treffen der Jungen Union mit Krapp zu entnehmen, man “wolle sich im Stadtrat für eine Darstellung der Stadtpolitik im Bürgerfernsehen einsetzen”. Das klingt viel versprechend. In in der TA (9. Januar) steht: “Für die Inhalte stellt er [Anm.: Michael Krapp] sich ein Themenspektrum von Faschingsveranstaltungen über Stadtratssitzungen bis hin zu Sportveranstaltungen vor.” Jetzt könnte ich mich ganz einfach hinstellen und sagen: Wir haben es doch schon vor drei Jahren gesagt!
Mache ich aber nicht, denn ich freue mich, da der Weg der richtige ist. Nicht nur wir haben den Vorschlag mehrfach eingebracht. Zum Bürgerhaushalt der letzten beiden Jahre kam jeweils ein Vorschlag zur Übertragung von Stadtratssitzungen aus dem Umfeld von FeM e.V. und iSTUFF. Dieser wurde mit einen Standardschreiben der Stadtverwaltung abgebügelt:
Sehr geehrter Herr ***,
Ihren Vorschlag zur Übertragung und nachhaltigen Speicherung von öffentlichen Teilen der Stadtratssitzung haben wir aufmerksam zur Kenntnis genommen.
Im Vorfeld der Haushaltsberatung wurde Ihr Vorschlag an den zuständigen Haupt- und Finanzauschuss weitergeleitet. Leider konnte Ihr Vorschlag aufgrund der allgemein angespannten Haushaltsituation auch für den Haushaltsplan 2012 nicht berücksichtigt werden.
Mit freundlichen Grüßen
…
Und da wird es doch spannend. Bedeutet es nun heute, wenn man einen Vorschlag “aufmerksam zur Kenntnis” nimmt, dass man die Ideengeber abbügelt und sich die Projekte dann auf die eigenen CDU-Fahnen stickt? Ich bin gespannt, wie viel von der Übertragung der Stadtratssitzungen und Vermittlung der Stadtpolitik übrig bleibt, wenn man es gerade nicht pressewirksam verkaufen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger beim neuen Sender engagieren, damit kein einseitiger Parteikanal sondern echtes Bürgerfernsehen daraus wird.
abgelegt in: Allgemein
getaggt mit: bürgerfernsehen, himmelblau-tv, ilmenau, oberbürgermeisterwahl, tagebuch, wahl, wahlbündnis

