Stadion oder Terminal B: Entscheidung unmöglich!

Durch wahrscheinliche Fördergelder für die Sanierung des Sportplatzes am Hammergrund kommt mehr und mehr eine öffentliche Diskussion in Gang (z.B. in Form von Abstimmungen). Dabei wird zwischen Terminal B und Hammergrund-Stadion abgewogen. Die Krux an der Geschichte: eine Entscheidung für oder wider eines der beiden Projekte ist quasi unmöglich. Wir wollen uns deswegen an dieser Stelle mit dem aktuellen Kenntnisstand zu beiden Projekten auseinander setzen.

Der Neubau des Terminal B am Ilmenauer Bahnhof als Bürogebäude ist mit dem Haushalt 2012 faktisch beschlossene Sache. Bereits in der Haushaltsdebatte wurde das Thema jedoch kontrovers diskutiert. Inzwischen erwartet die Stadt Ilmenau Fördergelder für ein anderes Projekt: Die Sanierung des Stadions am Hammergrund. Die Finanzlage der Stadt würde aber kein weiteres Großprojekt zulassen, wurden doch schon für den Bau des Terminal B 2,5 Millionen € Neuverschuldung veranschlagt, was Teile des Stadtrats und der Bevölkerung erboste. Die Stadt muss sich nun entscheiden – Terminal B oder Stadion – das Geld reicht auf den ersten Blick nur für ein Projekt. Nach dem zweiten Blick kommt eine Idee der Fraktion BBW aus der Haushaltsdiskussion wieder auf die Tagesordnung: Ein Unternehmen soll das Terminal B bauen. Darum machte der Ilmenauer Oberbürgermeister erneut den Vorschlag, den Bau die Ilmenauer Wohnungsgenossenschaft IWG zu übergeben und den Sportplatz aus dem Stadtsäckel zu finanzieren.

Diese Entwicklungen führten dazu, dass jetzt die Ilmenauer Bürger über beide Projekte diskutieren.  Der neuerliche Vorschlag von Eckhard Bauerschmidt (Stadtrat, Die LINKE.), die Bürger zu befragen ist da eine nahe liegende und gute Idee. Eine solche Befragung könnte jedoch nur stattfinden, wenn den Bürgern alle Details bekannt sind. Bedingung wäre also die völlige Offenlegung aller Fakten für interessierte Ilmenauer. Das wäre ein Novum, denn nach wie vor ist es bei manchen Projekten sogar für Stadträte Schwerstarbeit, stets alle für Entscheidungen nötigen Informationen rechtzeitig zu erhalten. Beide Projekte sind wichtig für die Stadtentwicklung und Entscheidungen sollten nicht aufgrund von oberflächlichen Informationen getroffen werden. Lassen sich nun die beiden Projekte überhaupt vergleichen? Eigentlich nicht.

Sport- und Freizeitgelände Hammergrund
Das Sportstadion am Hammergrund wird mehr noch als von Fußballern vor allem für den Schulsport genutzt. Auch andere Breitensportarten wie Leichtathletik spielen nach wie vor eine große Rolle auf diesem Sportgelände. Eine Reduzierung auf einen Neubau für Fußballer – wie es in der breiten Bevölkerung aufgrund mangelnder Informationen nach wie vor wahrgenommen wird – ist da viel zu kurz gegriffen. Das Hammergrund-Stadion ist für Tausende Ilmenauer Schüler und Sportler aller Sportarten zentrale Sportstätte. Nach dem Umbau kann es für noch mehr Ilmenauer ein attraktives Freizeitgelände mit Kinderspielplatz werden.

Nach einer Bewertung, die im letzten Jahr auf Kreisebene durchgeführt wurde, ist die Eignung des Stadions für den Schulsport nur “ausreichend”. Das ist die schlechteste der möglichen Bewertungen, bei der eine Nutzung gerade noch erlaubt ist. Verletzungsgefahr für Kinder, unmögliche Nutzung zu bestimmten Jahreszeiten (Frühjahr und Herbst durch Wasserlachen) und Sanitäranlagen auf dem Niveau der 80er Jahre sind nur einige der Kritikpunkte. Die geplante Sanierung würde mit 2,5 Millionen € zu Buche schlagen, bei einem Fördermittelanteil von 900.000 € kämen Kosten von 1,6 Millionen € auf die Stadt zu. Diese Investition würde das Umfeld des Stadions für alle Ilmenauer verbessern und vor allem vielen Kindern, Jugendlichen und Sportlern direkt nutzen.

Bürogebäude Terminal B
Das Terminal B als geplante Erweiterung des Bahnhofsgebäudes soll in erster Linie als Bürogebäude für einen Hauptmieter dienen. Allerdings ist es der falsche Weg, wenn die Stadt hier als Bauherr ihren Bürgern unternehmerische Risiken auflädt, die für solche Projekte sonst private Investoren tragen. Schließlich ist es mit dem Bau nicht getan. Ein solches Gebäude muss auch mit “High-Tech-tauglicher” Infrastruktur ausgerüstet und gewinnbringend betrieben werden. Dazu kommt, dass es für das 3,3 Mio € – Projekt keine Förderung vom Land gibt und der Bau von Bürogebäuden nicht unbedingt zur Daseinsvorsorge einer Kommune gehört.
Zweifelsohne könnte sich das Gebäude dennoch positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt auswirken. Ein Privatinvestor, der einerseits Erfahrungen in Bau und Vermietung von Bürogebäuden mitbringt und andererseits die finanziellen Risiken und den wirtschaftlichen Erfolg abschätzen kann, wäre klar die bessere Wahl als Bauherr.

Die IWG könnte also unter Umständen eine Lösung für das Problem sein, sofern sie die wirtschaftliche Rentabilität sicherstellen und die anfallenden Kosten tragen kann. Auch im Bereich der Unterhaltung und Vermarktung hat die IWG Erfahrungen, die die Stadt als Eigentümer nicht in diesem Maße einbringen kann. Eine Entscheidung für oder gegen eine Abgabe an die IWG ist dennoch nicht zu überstürzen, da nach wie vor nicht alle Details zum Projekt und zu den Vorverträgen mit dem zukünftigen Hauptmieter bekannt sind. Weiterhin muss auch der Vorstand der IWG das Projekt gründlich abwägen, damit nicht im schlimmsten Fall in einigen Jahren die Mieter der IWG für Defizite am Terminal B aufkommen müssen.

Entscheidung unmöglich – Partizipation möglich
Aus den bekannten Fakten lässt sich nur schwer eine Entscheidung für oder gegen eines der beiden Vorhaben treffen. Beide sind für die Stadtentwicklung bedeutsam, ein Abwägen ist jedoch eigentlich kaum möglich und ähnelt dem sprichwörtlichen Vergleich von Äpfeln und Birnen:
Das eine Projekt kostet 3,3 Millionen und wird vor allem von einem Unternehmen mit seinen drei Dutzend Mitarbeitern als Bürogebäude genutzt. Das andere kostet 1,6 Millionen und nützt vielen Ilmenauern als Freizeit- und Sportgelände. Es ist dennoch immer gut, bei so einer schwierigen Entscheidung die Bürger zu befragen – gerade mit Blick auf die aktuelle Finanzlage. Dazu müssen jedoch alle Informationen zu beiden Projekten öffentlich gemacht werden. Darüber hinaus ist es sinnvoller, die Bürger nicht erst ins Boot zu holen, wenn es um unbequeme Entscheidungen geht. Man sollte also die Ilmenauer nicht nur über die Streichung eines der beiden Projekte entscheiden lassen, sondern sie vielmehr in die detaillierte und zweckmäßige Umsetzung beider Projekte einbinden.

[Update 1]

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